Bergrennen Osnabrück 2009

Und plötzlich war August und das Bergrennen steht vor der Tür, so, oder so ähnlich geht es uns irgendwie in jedem Jahr J Irgendwie wird es kurz vor unserem Saisonhighlight immer etwas hektisch. Nach dem erfolgreichen Auftaktrennen am 25. Juli in Oschersleben galt es, den Ibiza für das Bergrennen zu präparieren und umzubauen. Für dieses Jahr haben wir keine Kosten und Mühen gescheut und neue 8x15“ Räder von Clubkollegen Andreas Kleine-Börger erworben. Diese beinhalteten 2 noch gut erhaltene Supersoft Avon Slick Reifen in der Größe 8,0 /21,5/15. Zusätzlich wurden für die Vorderachse 2 etwas härtere Slickreifen in gleicher Größe vom Avon Renndienst Dieter Knüttel gekauft. Dieser Diagonal Reifen funktioniert leider nicht mit der Fahrwerkseinstellung für die Rundstrecke, wo wir Michelin Radial Reifen verwenden. Also galt es, unser Fahrzeug auf dem eigenen Achsmessstand anzupassen. Auch die Radlasten waren entsprechend zu korrigieren. Am Wochenende vor dem Bergrennen war das Fahrzeug fertig. In der Woche vor dem Rennen wurde alles Material, wie Zelte, Böden etc. zusammen gepackt und für den Transport nach Borgloh vorbereitet. Am Donnerstag Abend begann das Abenteuer dann mit dem Aufbau unserer „Zeltstadt“ vor Ort. Wir hatten uns mit 6 Osnabrücker Kollegen zusammen getan und bauten Zelt an Zelt unseren Bereich auf. Mit an Bord waren Wilhelm Vinke, der erstmals am Berg den wunderschönen B-Kadett aus der Youngtimer Serie einsetzen wollte, sein „Schwiegersohn“ Stefan Scholz im C-Coupe, Andreas Kleine-Börger im Honda CRX, sowie Tobias Stegmann und Thomas Linnemann jeweils auf VW Golf.

Gegen 19:30 Uhr war alles vorbereitet und das Wochenende konnte kommen.

 Am Freitag standen lediglich Dokumenten-/ und Technikabnahme auf dem Plan. Diese absolvierten wir problemlos und gegen Abend konnte erstmals an diesem Wochenende der Grill gezündet werden.

Am Abend hatte sich traditionell Besuch aus Hohenlimburg angekündigt. Bettina und Michael lassen sich das Bergrennen seit Jahren nicht entgehen. Auch Petra, seit Anfang Juni das neue Glück an meiner Seite, kam schwer bepackt mit Salaten und Kuchen gegen 21:30 Uhr an. In gemütlicher Runde ließen wir den Abend ausklingen und gegen 23:30 Uhr ging es ins Bett. Der Wecker für den nächsten Tag stand auf 5:30 Uhr.

Nach einem kurzen Frühstück am nächsten Morgen brachen Michi, Petra und ich um 7:15 Uhr zur Strecke auf. Dort warteten bereits Lohmax und Grillmaus Steffi auf unsere Brötchen. Also schnell ein 2. Frühstück und los ging es mit den Rennvorbereitungen. Das Fahrzeug wurde nochmals komplett gecheckt und wir einigten uns auf einen Luftdruck für die uns unbekannten Avon Reifen. Fast pünktlich um 9:20 Uhr begann das erste Training. Als erstes fuhren die historischen Fahrzeuge der Alfa Coppa Mille ihren ersten Trainingslauf, die den Wettbewerb als Gleichmäßigkeitsprüfung bestritten. Hier gab es bereits im ersten Training 5 Unterbrechungen durch Unfälle bzw. technische Defekte. Der Terminplan geriet somit bereits früh aus den Fugen und es durfte nicht mehr mit mehr als 4 Trainingsläufen gerechnet werden.

 Den ersten Trainingslauf nutzte Andreas, um ein Gefühl für die neuen Reifen zu bekommen und diese hinsichtlich Luftdruck zu checken. Mit etwas Sorge nahm er ein sehr loses Heck zu Kenntnis. Speziell beim Anbremsen und Einlenken brach das Heck unvermittelt aus, zwar nicht unkontrolliert, aber ungewohnt. Eine zurückhaltende 1:15er Zeit war das Resultat. Also kurze Abstimmung mit Chefmechaniker Lowmax und Anpassen des Luftdrucks. Wir waren der Meinung, das Fahrverhalten resultierte aus den neuen Reifen mit viel Grip an der Vorderachse und den gebrauchten, angefahrenen Reifen an der Hinterachse. Also Luftdruck an der VA erhöhen, an der Hinterachse reduzieren. Im zweiten Trainingslauf startete der ungeduldige Fahrer mit einem Schaltproblem direkt nach dem Start, richtige Kupplungsbetätigung könnte helfen J Das Fahrverhalten hatte sich etwas verbessert, war aber immer noch nicht optimal. Kurz vor Posten 9 dann die rote Flagge und somit Abbruch des Trainingslaufes. Kollege Thomas Linnemann hatte sich kurz nach der Waldkurve gedreht und stand, ohne anzuschlagen, quer auf der Fahrbahn. Relativ knapp, nur eine Kurve vor der Unfallstelle, wurde Andreas von den Streckenposten angehalten und durfte nach Rückführung durch die DMSB Streckensicherungsstaffel den Trainingslauf wiederholen. Mit erneutem Schaltproblem brachte Andreas eine gute 1:14er Zeit ins Ziel. Das Fahrverhalten immer noch etwas ungewohnt. Zurück im Fahrerlager wurde der Luftdruck nochmals angepasst.

Zwischenzeitlich hatte unser Grillmeister den Grill angeheizt und es gab Leckereien wie Bratwurst und Vinkes berühmtes Schnippelfleisch in verschiedenen Gewürzarten, sowie zahlreiche selbst produzierte Salate.

Gut gestärkt nahmen wir dann den 3. Trainingslauf unter die Räder. Das Fahrverhalten wurde stetig besser und es lag die Vermutung nahe, dass die Hinterreifen wieder frei wurden und das gleiche Gripniveau annahmen, wie die neuen Vorderreifen. Ohne Schaltprobleme stand eine 1:13,4 auf dem Display der Zeitnahme. Eine Zeit im Bereich unserer persönlichen Bestzeit aus dem Vorjahr. Allerdings nicht genug, um gegen den bärenstarken Peugeot 206 RC von Klassenkonkurrent Waldi Bätzel bestehen zu können, der bereits im Bereich von 1:12er Zeiten unterwegs war. Im Zielbereich gab es die Möglichkeit einer freiwilligen Gewichtskontrolle. Der Ibiza wog auf der Veranstalterwaage 1015 Kg, also deutlich im legalen Bereich. Der dritte Trainingslauf hatte endgültig das Vertrauen ins Fahrzeug zurück gebracht und so beschloß man, im letzten Lauf einmal das Limit auszuloten. Nach erneutem Fahrzeugcheck ging es dann zum letzten mal an diesem Tag den Berg hinauf und die Uhren blieben bei erstaunlichen 1:12,6 stehen, für uns eine deutliche Verbesserung unserer Bestzeit und nur 1,5 Zehntel hinter dem schnellen Peugeot. Und der Fahrer war der Meinung, „da geht noch mehr“. In jedem Fall wurde auch die Konkurrenz hellhörig und warf einen interessierten Blick auf unseren Ibiza. Am Ende der Rückführung wurde durch die technischen Kommissare der Hauptstromschalter unseres Fahrzeug überprüft und beanstandet. Offensichtlich durch einen klemmenden Zündunterbrecher Kontakt ging der Motor bei Betätigung nicht aus. Später im Fahrerlager funktionierte der Schalter ohne Probleme.

 Zurück im Fahrerlager begann der gemütliche Teil des Abends. Petra hatte es sich auf unserem Anhänger gemütlich gemacht und die Sonne genossen, der Duft des Grills lockte auch sie wieder zurück zum Zelt und es begann die schon traditionelle Grillparty. Auch an gut gekühlten Getränken mangelte es nicht, ein wunderbarer Sommerabend war der passende Background zu einem schönen Abend im Kreis der Rennfahrerkollegen sowie vieler Freunde und Sponsoren unseres Teams. Etwas später bekamen wir dann noch Besuch von Jörg Weidinger mit Gattin Marion und Mechaniker Peter. Jörg konnte man getrost als absoluten Favoriten auf den Gesamtsieg ansehen, hatte er doch die 3 Rennen vor Osnabrück allesamt gewonnen und lag nur sehr knapp mit 4 Punkten Rückstand auf Platz 2 der Deutschen Bergmeisterschaft. Bei Radler und Muffins von Petra entwickelte sich ein sehr nettes Gespräch und zu späterer Stunde verriet Jörg sogar seine Taktik für den nächsten Tag. Mit neuen Reifen und grenzenlosem Vertrauen in seinen Osella PA20 BMW wollte er die Kollegen direkt im ersten Rennlauf am Sonntag Morgen überrumpeln und deren morgendliche Zurückhaltung ausnutzen. Gegen 23:00 Uhr verabschiedeten wir uns dann und fuhren heim nach Osnabrück, auch am Sonntag Morgen stand der Wecker wieder auf erbarmungslosen 5:30 Uhr.

 Pünktlich um 7:15 Uhr verließen wir das Haus und waren mit dem gesamten Brötchenbestand der Westphalen Tankstelle in Bissendorf pünktlich zum Frühstücken an der Rennstrecke. In lockerer Runde gab es ein rustikales, aber leckeres Frühstück mit den Kollegen, die bereits wach bzw. anwesend waren.

 Nur wenige Minuten nach 9:00 Uhr begann planmäßig der Rennsonntag mit dem ersten Rennlauf. Die Taktik von Jörg Weidinger im Kopf, begann Andreas den ersten Rennlauf motiviert und konzentriert. Nach einem sauberen Lauf blieb die Uhr von Zeitnehmer Thomas Stoll bei 1:12,455 stehen. Zufrieden wartete Andreas auf die Zeit von Waldi Bätzel. Der war allerdings ebenso hellwach und unterbot unsere Zeit um winzige 0,15 Sekunden. Ein spannender Zweikampf hatte begonnen. Auch die Nachkontrolle des Hauptstromschalters durch den TK war kein Problem.

 Zurück im Fahrerlager verfolgte Andreas dann die Fortsetzung des 1. Rennlaufes. Insbesondere die Fahrt von Jörg Weidinger weckte sein Interesse. Jörg rollte freundlich grüßend in Richtung Startlinie bei uns vorbei und entschwand dann mit lautem Sound in Richtung Gipfel. Als Jörg die Ziellinie überquerte, überschlug sich die Stimme des Streckensprechers, Jörg hatte einen absoluten neuen Streckenrekord von 55,27 Sek in den morgendlichen Asphalt gebrannt. Gespannt wartete man auf die Zeit von Marcel Steiner und der restlichen Konkurrenz, unter anderem dem Luxemburger Guy Demuth auf einem ehemaligen Mathias Lauda Formel 3000 Fahrzeug. Marcel verschlief tatsächlich den ersten Lauf mit einer 57,1 und auch der F3000 kam nur auf eine 57,2. Den Plan aus der Nacht perfekt umgesetzt, könnte man sagen und zusätzlich schon fast eine Vorentscheidung in Sachen Gesamtsieg, 2 Sekunden als Polster sollten reichen.

 Zum 2. Rennlauf startete Andreas mit dem festen Willen, die Zeit aus dem ersten Lauf nochmals zu verbessern. Nach einem fast perfekten Lauf konnte er bei Zieldurchfahrt eine 1:12,0 auf dem Display der Zeitnahme lesen, allerdings war das Limit nahe. Nach kurzem Warten erschien der Peugeot 206 RC von Waldi Bätzel im Zielraum und die Uhren blieben bei 1:11,4 stehen. Somit erhöhte sich der Rückstand auf etwas mehr als 6 zehntel Sekunden. Etwas enttäuscht rollte Andreas den Berg herunter in Richtung Fahrerlager, vorbei an den voll gefüllten Zuschauer Bereichen. Nach Veranstalterschätzungen besuchten in diesem Jahr mehr als 20.000 Zuschauer das Bergrennen, ebenfalls absoluter Rekord und verdienter Lohn für die emsigen Macher des MSC Osnabrück rund um Orgachef Bernd Stegmann.

 Im Fahrerlager wurde der Ibiza durch Chefmechaniker Lowmax für den 3. Rennlauf vorbereitet. Im Prinzip konnten wir uns auf Tanken und Kontrollieren beschränken, da es am Fahrverhalten unserer gelben Göttin nichts auszusetzen gab. Andreas wollte im 3. Rennlauf noch einmal angreifen und ging entsprechend aggressiv zur Sache. Nach der Startgeraden galt es, möglichst spät zu bremsen, leider wählte er den Bremspunkt minimal zu spät und der Ibiza ging leicht quer mit dem Heck, eigentlich kein großes Problem und sicher im Interesse der zahlreichen Zuschauer, aber die Linie für die anschließende Rechtskurve auf die Gegengerade passte nicht perfekt und es fehlte etwas Schwung für die Gerade. Im Ziel stand dann statt der erhofften 1:11er Zeit lediglich eine 1:12,1 zu Buche. Enttäuscht verließ Andreas das Fahrzeug und wartete auf den silber-grauen Peugeot. Als dieser über die Ziellinie fuhr, stand in der Zeitnahme aber auch nur eine 1:12,3 auf der Uhr. Der Abstand vor dem letzten Lauf reduzierte sich auf lediglich 0,4 Sekunden und das bei ca. 6 Rennkilometern. Ein spannendes Finale stand bevor und beide Fahrer konnten nur herzhaft über den spannenden Zweikampf lachen.

 Auch für den 4. und entscheidenden Rennlauf wurde nichts mehr am Ibiza geändert, auch Kraftstoff wurde nicht mehr nachgefüllt, jedes Gramm zusätzliches Gewicht wurde vermieden, auf der einen Seite sehr riskant, sollte es einen Rennabbruch geben, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mit lediglich 3 Litern Benzin im Tank startete Andreas in das große Finale. Bis Posten 5 lief es perfekt, aber an dieser Stelle riskierte Andreas etwas zu viel und mit zu großer Geschwindigkeit rutschte der Ibiza in der Rechtskurve etwas zu weit nach außen, so dass die Linie für die folgende Linkskurve nicht mehr perfekt passte. Auch den Eingang der Linkskurve bei Posten 7 erwischte Andreas zu schnell und verlor auch an dieser Stelle etwas Zeit. Im Ziel wurde zwar trotzdem noch eine 1:12,5 angezeigt, aber diese Zeit würde nicht reichen, um den starken Peugeot zu schlagen, da war sich Andreas sicher. Als die Uhr bei Waldi bei 1:11,0 stehen blieb, war der bis dahin superspannende Zweikampf mehr als deutlich entschieden. Noch mit Helmen auf dem Kopf beglückwünschte man sich mit einer freundschaftlichen Umarmung. Den Zuschauern und Streckenposten zuwinkend, ging es dann zurück ins Fahrerlager, wo sich der Fahrer als erstes bei seiner tollen Mannschaft für die perfekte Arbeit bedankte.

Direkt im Anschluß begannen alle, das wunderbare Domizil abzubauen und in die Anhänger und Transporter zu verladen. Unser Freund Weidinger schaffte tatsächlich den 4. Gesamtsieg in Folge, auch, wenn er die restlichen Rennläufe sehr knapp an den Schweizer Marcel Steiner im Martini BMW verlor und so 4 Punkte in der Berg DM auf Marcel Steiner verlor.

 Gegen 18:30 Uhr begaben wir uns gemeinsam zur Siegerehrung und freuten uns mit Jörg über seinen Gesamtsieg, der mit einer kräftigen Sektdusche begossen wurde. Auch wir durften uns über einen schönen Pokal für Platz 2 freuen und Andreas gratulierte Sieger Waldi Bätzel auf dem Podest zum verdienten Klassen und Gruppensieg.

 Gegen 21:00 Uhr war alles Material und die Fahrzeuge in der Halle verstaut und es ging heim, wo Petra und Andreas den herrlichen Sommerabend auf der Terrasse beschlossen.

 An dieser Stelle geht wieder ein herzliches DANKESCHÖN an das gesamte Team für die tolle Unterstützung, insbesondere an die Erzeuger der leckeren Salate sowie der Kuchen und Kekse.

Ebenso ein herzliches Dankeschön an unsere Sponsoren, ohne die wir unser Hobby eigentlich in der heutigen Zeit nicht mehr ausüben könnten.

 Den MSC Osnabrück kann man eigentlich nur beglückwünschen zu einem sensationellen Bergrennen vor Rekordkulisse.

 Der nächste Renneinsatz ist voraussichtlich beim Abendrennen des VCB Berlin in Oschersleben am 11. Oktober.

 

Viele Grüße und bis bald,

 Andreas von der Haar

 

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