Teambericht zum VCB 100 Minuten Bördesprint in der Motorsport Arena Oschersleben vom 29.07.2006
Nach der kleinen Sommerpause stand der nächste Lauf zum Börde Sprint Cup 2006 auf dem Programm. Der VCB Berlin rief zum 100 Minuten Sprint in die Motorsport Arena Oschersleben. 100 Minuten bezieht sich auf 4 Wertungsrennen über jeweils 25 Minuten. Am Samstag Morgen brach unser Team mit Andreas und Frank, Sven und Ria, sowie Guido, Carsten und AC Bramsche Clubmitglied Andreas Kleine-Börger, der auf seinem Honda CRX für die Klasse F2005 bis 1600 ccm³ genannt hatte. Ohne Stau oder dergleichen erreichten wir die Magdeburger Börde in der frühen Mittagszeit. Nach dem beinahe schon obligatorischen Kampf um die wenigen freien Plätze im durch den historischen Börde Grand-Prix prall gefüllten Fahrerlager konnten wir dann unsere Box 30 beziehen. Nachdem alles eingeräumt war, wurde sicherheitshalber die Bremsanlage entlüftet, da unsere Göttin bei zwei Renntaxi Einsätzen in Papenburg einige Kilometer in der Pause zurückgelegt hatte. Alles weitere hatten Andreas und Sven bereits in der heimatlichen Halle kontrolliert und ausgetauscht. Anschließend konnten wir uns etwas Sonne gönnen, denn die Abnahmen standen erst ab 15:00 Uhr auf der Agenda.
Diese absolvierten wir wie immer ohne Probleme. Auffällig war das kleine Starterfeld von nur 31 Teilnehmern. So war u. a. die gesamte Porsche-Fraktion abwesend. Auch unsere Klasse war mit nur 6 Teilnehmern schwach besetzt, da auch die kleine Klasse bis 1600ccm³ mit drei Teilnehmern eigenständig war. Allerdings war die Konkurrenz in unserer Klasse bis 2000ccm³ hammerhart. Der bekannt schnelle Mazda RX8 von Rudolf Hoffmann, der Golf 16V von Hendrik Junghans, sowie der stark aufgerüstete Golf 16V von Thorsten Röttger und Jörg Chmiela stellten harte Brocken dar. Leider nicht am Start der schnelle BMW M3 von Michael Friedenstab. Die eigentliche Veranstaltung begann um 18:10 Uhr mit der Fahrerbesprechung im Startpark 2, wo Rennleiter Dr. Werner Rottenberg die Fahrer briefte. Pünktlich um 18:30 Uhr begann das 30 Minütige Training, welches Andreas zum Anfahren der Reifen nutzte. Bereits hier bemerkte er ein merkwürdiges Fahrverhalten mit dem ersten Reifensatz, der Geradeauslauf war schlecht und das Lenkrad stand etwas nach links versetzt. Der zweite Reifensatz funktionierte dann allerdings tadellos. So begannen wir den ersten Lauf dann auch mit Reifensatz 2 und konnten diesen ohne Probleme mit noch vorsichtigen Rundenzeiten beenden. Für den 2. Rennlauf ließ Andreas dann wieder Reifensatz 1 an der Vorderachse montieren, da bei den hohen Außentemperaturen von 31°C nur ein Reifensatz überfordert ist. Ein fataler Fehler, wie sich in der 4. Runde des 2. Rennlaufes herausstellen sollte. Mitten in der superschnellen dreifach Links, der s. g. Tripple riss urplötzlich die Haftung an der Vorderachse ab und es stellten sich starke Vibrationen ein. Mit Mühe konnte Andreas das Fahrzeug auf der Strecke halten und setze in der Annahme, einen Reifenschaden zu haben, mit Warnblinker den Weg in die Boxengasse fort. Dort angekommen konnten die Mechaniker keinen offensichtlichen Schaden feststellen. Also wurde der rechte Vorderreifen gewechselt und gleichzeitig die Aufhängung kontrolliert. Anschließend setzte Andreas das Rennen fort, um direkt festzustellen, dass der Fehler nicht behoben war. Also wieder in die Box, und die gleiche Aktion mit der linken Vorderachse. Aufhängungskontrolle, Reifenwechsel und weiter. Erst jetzt funktionierte das Fahrzeug wieder und Andreas setzte das Rennen mit einem dicken Hals bis zur Zielflagge fort, um noch auf die erforderlichen 8 Rennrunden zu kommen. Enttäuscht über das erste technische Problem seit mehr als 4 Jahren kehrte Andreas in die Box zurück. Erst bei näherer Betrachtung ließ sich das Problem am linken Vorderreifen erkennen. Eine partielle Beule, Risse und ungewöhnliche Abriebspuren an der Innenflanke ließen nur einen Schluss zu: Die Karkasse des Reifens ist gebrochen. Somit galt es, die folgenden beiden Rennläufe mit nur einem Reifensatz für die Vorderachse zu überstehen. Mit einer "Jetzt erst recht" Einstellung ging Andreas in Rennlauf drei und fuhr konstant schnelle Rundenzeiten im tiefen 1:48er Bereich. Sehr angenehm war der geringe Verkehr auf der Strecke, wohl der einzige Vorteil der wenigen Starter. Nachdem durch den guten Turn drei der erste Frust wegen des Reifenschadens verflogen war, nahm Andreas den letzten Turn in Angriff. Bereits nach der Einführungsrunde am Ende der Start Geraden kündigte sich ein neues Probleme an. Völlig unvorbereitet war die Lenkung schwergängig und Andreas hatte große Mühe, die erste Kurvenkombination zu absolvieren. Der erste Gedanke: "Sch…., die Servolenkung ist im Eimer". Auch in den weiteren Kurven war keine Verbesserung des Problems zu spüren. Die weiteren Gedanken des Fahrers lauteten daher wie folgt: "Toll, das kann ja was werden, 8 Runden auf einer der Kurvenreichsten Rennstrecken Deutschlands ohne Lenkhilfe" Aber Aufgeben gilt ja nicht für uns, also Zähne zusammenbeißen und weiter, immer in der Hoffnung, dass kein Öl aus der Lenkung austritt, auf dem unsere Göttin evtl. noch ausrutscht. Bis zur 4. Runde waren die hohen Lenkkräfte noch zu ertragen, dann wurde es allerdings hart. Am Ende der 6. Runde kamen die ersten Überlegungen., evtl. doch aufzuhören, zumal dem Fahrer auch noch die Temperatur von geschätzten 60°C im Fahrzeug zu schaffen machte. Als dann auch noch der schnelle Röttger-Golf mit Jörg Chiemla am Volant in der Rechtskehre nach der Tripple unvermittelt langsam wurde und Andreas zu einem Ausweichmanöver zwang, waren die Kräfte in den Armen erschöpft. Nur mit Mühe konnte Andreas die 8. Runde beenden und erreichte mit letzter Kraft die rettende Boxengasse. Am Ende der Boxenstrasse reichten die Kräfte dann nicht mehr, um noch in die Box einzulenken und die Göttin kam schräg vor der Box zum stehen. Das erste Mal in seinem Leben sah der gestresste Fahrer Sterne nach körperlicher Anstrengung und benötigte einige Minuten Erholung und kaltes Getränk, gereicht von den besorgten Mechanikern, um aus eigener Kraft der gelben Sauna entsteigen zu können. Wundersamerweise waren die Rundenzeiten zumindestens im ersten Teil des Turns kaum schlechter, als mit funktionierender Lenkhilfe. Die voll motivierte Mechaniker-Crew sah natürlich sofort ein Einsparpotential und wollte die Lenkhilfe an Ort und Stelle komplett demontieren, was der geschwächte Fahrer gerade noch verhindern konnte. Eine kalte Dusche brachte dann bald auch die Kräfte und das Lachen zurück zum Fahrer. Erst ein Blick auf die Ergebnisliste brachte etwas Verwunderung mit sich. Hier wurden uns nur 30 statt 32 Runden gutgeschrieben und entsprechend ein 5. Platz in der Klasse. Auf Nachfrage bei der Rennleitung konnte dieser Fehler aber in der Zeitnahme gefunden und behoben werden. Leider erst nach der Siegerehrung, so dass unsere Klasse N5 dort ausgeklammert werden musste. Am Ende stand dann doch noch der 4. Klassenplatz in der Ergebnisliste und somit konnten doch noch wichtige Punkte für die Gesamtwertung des Börde Sprint Cup 2006 eingefahren werden. In der Gesamtwertung dürften nach unseren Berechnungen New Clio Pilot Andreas Kaast und Marcus Bulgrin auf dem Youngtimer Kadett näher gerückt sein. Allerdings behalten wir mit kleinem Vorsprung die Gesamtführung.in der Meisterschaft. Nachdem das Klassenergebnis geklärt war, ging es für den Fahrer unter die Dusche, um anschließend in gemütlicher Runde mit den nicht heimgereisten Teammitgliedern; sowie Familie Wiehemeijer den Abend bei kaltem Bier ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen gegen 7:00 Uhr klingelte dann Wim der Wecker und wir traten nach einem kurzen Frühstück und Verpacken unserer Ausrüstung den problemlosen Heimweg an. Mit blauem Auge konnten wir einen für uns ungewohnt problembelasteten Abendlauf beenden.
Mit vollem Elan geht es jetzt an die Reparatur unseres Fahrzeuges und an die Vorbereitungen für einen weiteren Höhepunkt der Saison 2006, dem Osnabrücker Bergrennen.
Der Fahrer bedankt sich nach diesem turbulenten Rennen besonders bei der traumhaften Mechaniker-Crew, die sich nicht entmutigen ließ und unsere angeschlagene Göttin immer wieder in Rekordzeit auf die Strecke zurückbrachte.
Ebenfalls ein herzliches Dankeschön an alle Sponsoren, die mit ihrer Unterstützung unser Hobby erst ermöglichen. Ich hoffe, wir sehen möglichst viele von Euch zur Grillparty an der Borgloher Bergfrennstrecke!
Viele Grüße im Namen des gesamten Teams….
Andreas von der Haar

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